Aufnahmetagebuch
Am ersten Wochenende im August 2005 nahm DividingLine im Klangstall in Speicher bei Michael Gallusser das erste Studioalbum auf. Wir hatten drei Tage Zeit, um sechs Songs aufzunehmen und optional einen vierten, wenn die Zeit knapp werden würde. Am ersten Tag spielten wir live nach Metronom und Michi nahm alles auf, wobei das Augenmerk nur auf dem Schlagzeug lag. Denn dieses sollte nachher als Vorlage für die restlichen Instrumente dienen.

Wir stellten fest, dass nach Metronom zu spielen gar nicht so leicht ist, und dass wir im Proberaum viel zu spät angefangen haben, auch so zu üben. Falsche Tempi haben sich eingeschliffen, die man nur schlecht wieder los wird. Am Freitagabend war dann die Schlagzeugspur im Kasten. Ein Instrument in einem Tag – hochgerechnet auf fünf Instrumente würde das überhaupt nicht aufgehen. Doch ein grosser Abschnitt war gemacht.

Anderntags spielte Pipo den Bass ein, was wesentlich schneller von statten ging. Auch Matthias – pardon – die Keyboards waren kein Problem, da man von der Live-Aufnahme des ersten Tages einiges direkt übernehmen konnte. Erst unter der Gitarre schrumpfte unsere bis dahin glücklicherweise langsam auf fünfzig Minuten angewachsene Zeitreserve drastisch zusammen. Ja, Ende des zweiten Tages waren die Gitarren noch nicht fertig eingespielt, und dabei sollte der dritte Tag dem Gesang und dem Ausmischen gewidmet sein. Aber immerhin: Wir sahen, dass es gut war.

Und so wurde aus Abend und Morgen der dritte Tag. Und Bruno schuf mit seiner Gitarre Melodien, auf dass sie den Raum erfüllen mögen und unseren Stücken die gewünschte Stimmung bescheren. Und es reihte sich Klang an Klang und aus Ton wurde Melodie und zauberte Lächeln auf unsere Gesichter. Und die Band schaute sich an alles was da geschaffen wurde und siehe, es war sehr gut.

Doch legen wir diese Genesis-Analogie wieder zur Seite und wenden uns den Tatsachen des Sonntagabends zu: Ab Mittag wurde der Gesang aufgenommen; wie bei allen anderen Instrumenten jeweils drei Versionen. Doch das Schneiden brauchte Zeit, und so kam es, dass ich nachts um halb zwölf noch mit strapazierter Stimme den letzten Song ins Mik gröhlte. Der Tag war gelaufen und abgemischt war noch nichts. Zum Glück hatte Michi den Montag als optionale Reserve vorausbestimmt. So trafen sich Pipo und ich nochmals im Klangstall mit Michi um das Album abzumischen.

Doch auch um sechs Uhr abends waren wir noch nicht fertig. Pipo und ich zogen ab, ohne eine handfeste Erinnerung mitnehmen zu können. Michael sagte, er schicke dann eine CD, damit wir die Lieder nochmals in Ruhe anhören könnten bevor wir ihm das OK geben, die Aufnahmen zum Mastern ins Gallus-Tonstudio zu bringen.

Es war ein sehr intensives Wochenende und wir freuen uns wie kleine Kinder am Resultat. Die Zusammenarbeit mit Michael Gallusser war äusserst angenehm. Und sobald ich mit der Gestaltung des CD-Booklets fertig bin und die Sache fertiggestellt werden kann, dürft auch ihr euch daran erfreuen.

von Reto Frischknecht