Auftritt am “Totentanz” im Dynamo ZH
1. Januar 2010
Vielleicht schreiben andere Bandmitglieder aus ihrer Perspektive noch zu diesem Event, aus meinem Blickwinkel möchte ich den Sylvesterabend 2009 folgendermassen darstellen: Es ist toll, an einer Party wie dem Totentanz unsere Musik einem interessierten Publikum zu präsentieren – denn das waren die rund 30 bis 40 Personen wohl, wenn ich es von der Bühne aus richtig einschätzen konnte. Und ich hoffe, ihr, die ihr dabei wart, tanztet, mit dem Kopf wiegtet, lächeltet, die Augen geschlossen hattet oder mit verklärtem glasigem Alkoholblick zu uns hoch blinzeltet, habt ein gelungenes Konzert erleben dürfen. Was ihr nicht wisst: Vor dem Gig und hinter den Kulissen ging es ziemlich unstrukturiert zu und her, was ich von einem Grossanlass wie diesem nicht erwartet hätte.
Wenn Leute von einer Musikerkarriere träumen, denken sie wohl hauptsächlich an das schöne Gefühl, auf der Bühne zu stehen und einem wohlwollenden Publikum die eigenen Songs präsentieren, Applaus dafür entgegennehmen und womöglich angenehme Gagen einsacken zu können. Dass mit einem Konzert wie dem heutigen (Stage time 3.50 Uhr) viel Wartezeit verbunden ist, gerade mal eine Spesendeckung, Unsicherheit, ob die Backline wirklich funktioniert, vermutet man selten. Die Backline war zwar vorhanden, aber der eine Helfer beschwert sich darüber, dass sie Bass- und Gitarrenboxe für uns schleppen und aufstellen mussten, ein anderer sucht eine Viertelstunde vor dem Auftritt noch Einzelteile für das Schlagzeug zusammen. Cymbal-Ständer sind nicht vorhanden, Peach muss kreativ werden und etwas basteln. Und wir wissen ja, wie sehr er Stress so kurz vor dem Gig liebt …
Die Techniker reagieren erstaunt darüber, was wir alles mitbringen, obwohl wir zum Behelf eines reibungslosen Aufbaus im Voraus einen technischen Rider und Stageplan geschickt hatten und sie vorbereitet hätten sein können. Ich staune, dass ich für ein technisches Detail – das Nichtmitbringen eines bestimmten Steckers, der mich als Sänger herzlich wenig interessiert – vorwurfsvoll angeraunzt werde. Ein Linecheck liegt nicht mehr drin, wir sind sowieso zu spät dran. Bloss, die Monitore auf der Bühne funktionierten auch nicht richtig, jedenfalls hörten die meisten Bandmitglieder sich gegenseitig und auch sich selber kaum, weshalb wohl auch der Funke zum Publikum nicht derart sprang wie vor zwei Wochen im Bierhof in St.Gallen.
Der Traum vom Musikerleben wird vollends abgerundet, wenn in einem engen Backstageraum mehrere Leute stehen, die längst nichts mehr offiziell da zu suchen haben, wenn geraucht und gesoffen wird und sich schon mal der Inhalt einer Halbliterbierdose friedlich über einen Stuhl und den Boden in dem Bereich ausbreitet, wo die Bands ihre privaten Sachen lagern, die nicht wegkommen oder beschädigt werden dürfen, wie z.B. Instrumente, Jacken und Mäntel, Taschen und Koffer. Die Bühne war übrigens zu solch zarter Morgenstunde auch schon ziemlich mit Bier getränkt, weshalb sich meine Schuhe bei einem Schritt öfters mit einem schmatzenden Geräusch von den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, lösten – was natürlich in der erheblichen Musiklautstärke im Kellergewölbe unterging.
Alles in allem nicht der beste Auftritt, den wir je hatten, aber eine weitere Erfahrung in unserer Bandgeschichte. Und mir persönlich hats auf der Bühne sehr Spass gemacht!
3. Januar 2010 um 03:14
Die meisten Zuschauer werden dies was hinten abging nicht gemerkt haben.
Normalerweise Kritisiere ich Musiker und Techniker nicht öffentlich und schon gar nicht online, aber hier an dieser stelle möchte ich dies trotzdem mal tun: Im Gesamten fand ich dies ein sehr schönes Konzert und ein gelungener Abschluss des Totentanzes, und viele meiner Freunde die euch zugehört haben fanden dies auch. Ihr habt in eurem Bericht oben zwar recht, aber ihr gebt Informationen preis, so finde wenigstens ich, die in einem Brief direkt an den Veranstalter gesendet werden müssten und nicht auf die Bandseite. Wenn Bands Probleme, die das Publikum nicht mitkriegt hat, ausführlich ohne Nachfrage preisgeben, wertet dies den Auftritt ab, das finde ich schade.
Ich sage den Bands, die sich gratis oder billig buchen lassen, immer wieder: wenn ihr euch für Nichts buchen lässt, werdet ihr auch behandelt wie Nichts!!! Und ihr seid alle selbst schuld daran. Das ist verdammtnochmal leider wirklich wahr. Die Veranstalter respektieren nur Ware mit wert, egal in welcher Szene. Unser Ticket hat 52.- gekostet, es waren seeehr viele Leute an der Party, also reicht es auch für Gage. Verkauft euch bitte nicht unter eurem Preis, verhandelt mit den Leuten (und zwar Knallhart), ihr habt es nicht nötig, euch so behandeln zu lassen!! Oder schreibt ihr eurer Musik so wenig Wert zu, dass sie mit den Füssen getretet werden darf? Ich Glaube nicht.
Ich muss sagen, ich finde eure Musik immer wieder geil. Ich mag die Power deiner Präsenz auf der Bühne, ihr erzeugt eine geile Stimmung die auch ganz gut Rüber kam.
Falls ihr weitere Eindrücke die ich hatte, hören möchtet, lasse ich mich gerne dazu einladen, dies logischerweise nicht öffentlich.
Ich freue mich auf das nächste Konzert von euch.
Allerliebste Grüsse
Fred
3. Januar 2010 um 19:08
Guten Morgen, Guten Abend, Gute Nacht.
Wo Fred recht hat, hat er recht.
Allzuvieles lief schief an diesem Abend/Nacht. Trotzdem hat es mir irgendwie Spass gemacht. Ich bin halt gerne auf der Bühne und versuche, das Bestmögliche aus den Umständen rauszuholen.
Das Erlebte müssen wir Intern besprechen und daraus die Lehren ziehen.
In dem Sinne, keep on rockin’!
Grüsse vom Drummer
4. Januar 2010 um 13:11
Ich hab den Artikel noch leicht modifiziert. Wollte eigentlich nicht, dass es aggressiv oder beleidigend wirkt. Zudem, Fred, ich hab das geschriebene dem Veranstalter geschickt, ebenfalls hoffentlich in einem anständigen Ton. Und zwar bevor ich diesen Artikel verfasst habe.
Das mit dem billig bis gratis spielen hast du mir ja schon mal gesagt, und ich weiss, dass du recht hast. Wir werden uns in Zukunft dieses Punktes mehr bewusst sein.
Bin übrigens sehr an Feedback interessiert. Mail mir doch, wenn du Zeit und Lust dazu hast!
Gruss,
Reto