ein Bericht von Reto Frischknecht

Freitag, 20 Uhr
Ich komme als erster der Band in Uster an. Es ist schön, wieder im Stadthofsaal zu stehen; Erinnerungen an das Jahr zuvor kommen hoch: Erste Band um 19 Uhr als Eröffnung des Festivals … Erstaunlich viele Leute, zumindest mehr, als wir erwartet hatten … Positives Feedback … Pipo am Bass … Erst der dritte Auftritt mit Bruno und Domi … Nervosität …

Heute: bekannte Gesichter, gute Gespräche, wir haben Zeit, uns einzuleben, zu reden, Musik zu hören, uns einzustimmen auf unseren Auftritt. Ich muss schon sagen, dass ich vor der Bühnengrösse Respekt hatte. Wir spielten die letzten paar Male in familiärem Rahmen und standen auf der Bühne nahe beieinander. Nun diesen weitläufigen Raum ausfüllen zu können, würde eine Herausforderung, vor allem mit unserem Musikstil. Entsprechend war meine Aufmerksamkeit als Sänger während des Auftritts verstärkt diesem Punkt gewidmet. Passt diese Geste, diese Bewegung? Ists zuviel, wirkts gekünstelt? Und dann all diese Fehler; mein Verrutschen in der Setliste, was dazu geführt hat, dass ich einmal den Text einer Strophe vergessen habe und mit Kauderwelsch überbrücken musste, mein hineinplärren beim letzten Lied aus voller Überzeugung, der Refrain würde wiederholt …

Aber zumindest ich kann sagen, dass ich viel weniger nervös war als auch schon vor Auftritten. Ich freute mich, hier zu sein und hatte eine innere Ruhe gefunden, die auch durch das Wissen verstärkt wurde, dass viele Leute an uns denken, für uns beten und uns unterstützen. Ich danke Samuel für sein Mittragen; dass er sich um jede Band individuell kümmert. Ich glaube, viele Menschen nehmen positive Erinnerungen von unserem Auftritt mit nach Hause. Hier sei auch die erfreulich grosse Anzahl der verkauften DividingLine-CDs vermerkt, welche während diesen Tagen über den Merchandising-Tisch gingen; es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Samstag, 19 Uhr
Da ich erst um fünf Uhr Morgens ins Bett kam, ging ich dann doch nicht zum Gottesdienst. Auch die Workshops liess ich sausen. Aber ein guter zweiter Konzertabend erwartete mich. Als ich um 19 Uhr vor Ort ankomme, ist Matthias bereits mit Michi im Gespräch vertieft. Später taucht auch noch Steffi auf, und während des Narnia-Konzerts trudelt dann sogar noch Pipo ein (der uns am Freitag verpasst hatte weil es ihm zu spät wurde).

Mad Max haben mich positiv überrascht; ich kannte sie vorher nicht. Auch ihr Unplugged-Set war stimmungsvoll. Und natürlich interessierte mich, wie Narnia live sind. Und ich muss sagen, gesanglich bin ich von Christian Rivel positiv überrascht. Auf den Alben erschien mir seine Stimme manchmal etwas kraftlos, bzw. war für mich zu wenig im Vordergrund. Live wars (abgesehen von den technischen Problemen mit dem Mikrofon) einiges besser. Die Truppe hat Power und versteht es, die Leute zu animieren. Obwohl dies gleichzeitig der Punkt ist, wo ich mich an Rivel störe. Er rennt dauernd auf der Bühne umher und seine Animationen und die Kommunikation mit dem Publikum wirken für mich nicht mehr authentisch; es ist zu viel, zu künstlich, zu aufgesetzt, so dass ich es schon als lächerlich zu empfinden beginne.

Ich möchte Narnia damit nicht abwerten; hab ja selber alle Alben. Aber das heisst ja nicht, dass ich mit allem einfach einverstanden sein muss. Jedenfalls lässt sich sagen, dass uns das diesjährige EoR sehr gefallen hat und wir hoffen, euch nächstes Jahr alle wieder zu sehen. Grüsse einstweilen!