the final act | Informationen zum Song

In der Vergangenheit erlebte ich es ein paar Mal mit (allerdings indirekt vom Erzählen her), dass Kolleginnen oder Kollegen versuchten Selbstmord zu begehen oder wirklich begangen hatten. Einer sprang von einer hohen Autobahnbrücke. Eine andere versuchte sich mit Medikamenten das Leben zu nehmen. Solche Berichte erschütterten mich, obwohl ich diese Menschen nicht wahnsinnig gut kannte; einfach vom Sehen her. – Ich konnte nicht verstehen, wie man so absolut keinen Sinn mehr im Leben sehen kann, so verzweifelt sein kann, dass man sein Leben beendet.

Bei vielen Jugendlichen kommen Gedanken an Suizid auf, in dieser Zeit, in der die Gefühle verrückt spielen; so labil sind, dass sie innert Kürze von Euphorie zu Depression und wieder zurück kippen können. Viele von uns kennen das Gefühl, nicht verstanden zu werden, allen egal zu sein. "Es kümmert sich sowieso niemand um mich, die andern beachten gar nicht. Es wäre scheissegal wenn ich nicht mehr da wäre, ich hab sowieso nichts zu bieten. Und immer nur das Gleiche: Aufstehen, Schule, Aufgaben, Schlafen ..." So ging es mir damals manchmal.

Ob Suizide also eher geplant oder Kurzschlusshandlungen (womöglich unter Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen) sind, kann ich nicht klar sagen. Massive Belastungen im familiären Umfeld, schulische Probleme oder Liebeskummer, aber auch ein niedriges bzw. fehlendes Selbstwertgefühl oder Verzweiflung auf Grund fehlender Zukunftsperspektiven können Gründe sein. Manchmal gibt es Anzeichen für die innere Verzweiflung: Selbstverletzendes Verhalten, Depressivität – Symptome, die uns aufhorchen lassen sollten. Dann können wir noch handeln. Es sind manchmal stumme Schreie, die in die Welt gesandt werden, eine symbolische Kommunikation für das Unaussprechbare.

Der zweite Teil des Liedes tönt so optimistisch; und es ist auch das, was ich grundsätzlich glaube: Die Beziehung zu Gott kann das Selbstwertgefühl stärken, kann die Angst vor der Zukunft nehmen und Gelassenheit schenken. Aber nicht in jedem Fall ist die Haltung "Du musst nur an Jesus glauben, dann wird alles gut in deinem Leben" hilfreich für eine suizidgefährdete Person. Der Text soll nicht als blauäugiger Optimismus missverstanden werden. Dass im Lied danach nochmals der erste Teil folgt, zeigt, dass die Realität oft anders aussieht: dass Menschen diese "offene Türe" nicht bemerken oder aus irgendwelchen Gründen nicht darauf vertrauen können und eben doch den "finalen Akt" wählen.

Von manchen Leuten kommt dann sehr schnell die Verurteilung, dass diese Person nun verloren sei, weil sie sich nicht für Jesus entschieden habe und weil sie sich mit ihrer Tat selbst als Herr über Leben und Tod aufgespielt habe. Was ich dazu zu sagen habe, steht im Lukas-Evangelium, Kap. 6, 37: "Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden."

Wir wissen nicht, wer dieser Mensch ist, der sich das Leben nimmt, wie es in ihm aussieht. Deshalb sollten wir nicht vorschnell urteilen. "Denn nicht sieht Adonaj auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Adonaj aber sieht das Herz an." (1. Samuel 16, 7b)


Von Reto Frischknecht, April 2007


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