Die Geschichte von DividingLine
Im Herbst 2001 begann ich mit einigen Kollegen, meine Lieder umzusetzen. Philipp "Pipo" Biastoch war von Anfang an am Bass mit dabei. Das Vorhaben wurde aber aus diversen Gründen bald wieder auf Eis gelegt; einer davon war, weil der Gitarrist von einer etablierten Band abgeworben wurde (zuerst zwar nur als Aushilfe, aber eben ...) Im Oktober 2002 fingen wir zu fünft dann richtig an, nachdem ich Pipo an einem Konzert getroffen hatte, an dem er mir sagte, er wäre nach wie vor dabei; ich solle mich einfach melden. So stand DividingLine am 7. Februar 2003 mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang/Synthi in der Grabenhalle St.Gallen auf der Bühne. Zusammen mit Pol aus Uri und Belcafé aus Zürich bestritten wir unser erstes Konzert. Es war ein gelungener, motivierender Gig – und wir dachten, jetzt ginge es los.

Leider dachten wir falsch: Nur kurz nach diesem Auftritt gaben unsere beiden Gitarristen
Matto und Clemi kurz nacheinander den Austritt bekannt, und wir mussten jemand neuen finden. So stiess schliesslich Bernie Küpfer zu uns. Eine Bereicherung für die Truppe, nur leider ging das Üben von neuem los, da wir noch keine Aufnahmen von den Liedern hatten, an Hand derer der neue Gitarrist hätte üben können. Gleichzeitig bauten wir zu jener Zeit in St.Gallen ein eigenes Tonstudio unter der Fürstenlandbrücke in einem Kellerraum im Areal der ehemaligen Färberei Sitterthal auf. Die Idee war, selber in Ruhe Alben aufnehmen zu können, aber auch regelmässig die Proben zur Eigenüberprüfung. Der Aufbau brauchte Zeit, wir zogen Wände ein, bohrten, malten, schwitzten. Bis wir uns gemütlich zurücklehnen konnten und erstmal unser neues Reich genossen.


Die Erstbesetzung (v. l.):
Matthias Leuenberger, Clemens Gächter, Reto Frischknecht, Pipo Biastoch, Andy Scherrer

Dann stiess unser Tontechniker Mäsy zu uns und rettete uns vor dem naiven Glauben, wir könnten unser digitales Mischpult selber genügend gut kennenlernen um damit qualitativ hochwertige Aufnahmen zu produzieren. Doch als wir mit Aufnehmen begannen, stellten wir fest, dass die Metallbaufirma über uns auch nachts noch lärmt. Die Maschinengeräusche drangen durch alle Wände und Leitungen, und wir waren genervt. Eines Tages kam Mäsy aber mit einer unglaublichen Botschaft: Ein neuer, zentral in der Stadt gelegener Raum stünde uns zur Verfügung. Wir entschieden uns – und zogen abermals um.

Dort ging der Aufbau von neuem los, doch dank dem Handwerker Mäsy konnten wir uns schon bald zu einem eigenen Tonstudio gratulieren. Am 25. Oktober 2003 eröffneten wir es, nur einen Monat nach dem Einzug. Anfangs Januar 2004 nahmen wir dort dann auch die nicht offiziell erhältliche
Demo-CD "fly away" auf, welche die vier Lieder "burning sky", "fade away", "more than anything" und "the die is cast" enthielt, die einen Eindruck des vielfältigen Klangbildes von DividingLine vermitteln sollten.

Im Februar 2004 verliessen jedoch Andy und Bernie wegen der zu gross werdenden Doppelbelastung die Band, um sich nur noch auf Fair Haven zu konzentrieren. Für uns bedeutete dies, dass wir leider auf einen Schlag die Hälfte von DividingLine ersetzen mussten. Zum Glück meldeten sich viel schneller als wir dachten etliche Gitarristen. Als Schlagzeuger stiess dann
Dominik Schmid zu uns, als Gitarristen bekamen wir den Konservatoriumsabgänger und Gitarrenlehrer Bruno Driutti. Gleichzeitig entschied sich mein langjähriger Jungschi-, Kletter- und sonstiger Kollege Matthias Stober nach langen Gesprächen, während derer er als meine "Klagemauer" fungierte, DividingLine als Pianist zu unterstützen. Ich hatte bis dahin Keyboard gespielt und gesungen, doch diese Doppelfunktion gab ich gerne ab. Dann ging es endlich wieder vorwärts. Wir arbeiteten – einmal mehr – das gesamte bisherige Repertoire auf und übten sogar noch ein paar neue Songs ein. Im Februar 2005 waren wir zum ersten Mal am Metal-Festival Elements of Rock im Stadthofsaal in Uster dabei und standen zum ersten Mal auf einer grossen Bühne.

Im August nahmen wir
unsere erste Scheibe auf. Der Grund war nicht zuletzt, weil auf Ende September 2005 Bassist und Gründungsmitglied Pipo die Band verliess – für einen Auslandaufenthalt und das anschliessende Studium in Österreich. Es war ein trauriges Ereignis, diesen treuen Kollegen und begnadeten Musiker ziehen lassen zu müssen. An einer privaten Geburtstagsparty in Münchwilen (TG) im September 2005 hatte Pipo sein Abschiedskonzert.



Glücklicherweise fanden wir sofort einen Ersatz: Steffi Meier aus dem Aargauischen, eine motivierte Musikerin, die hervorragend in die Truppe passte. Es folgten Auftritte an verschiedenen Contests sowie weitere Konzerte.

Dies blieb allerdings nur gut ein Jahr lang so, bis Ende 2006. Wie der Liste der bisherigen Auftritte entnommen werden kann, konnten wir in jenem Jahr einige Male auf der Bühne stehen. Doch im September eröffnete uns Steffi, sie würde die Band wieder verlassen auf Grund diverser belastender Umstände im privaten Bereich. Es traf uns alle sehr; nicht nur, weil wir den schwierig zu besetzenden Posten am Bass ersetzen mussten, sondern auch weil wir damit ein Bandmitglied verloren, das super in die Truppe passte und eine gute Kollegin geworden war.

Bis im Mai des folgenden Jahres fanden wir keinen Ersatz für Steffi. Nachdem das Internet kreuz und quer durchforstet war, wir sämtliche Foren abgeklappert und dennoch niemanden gefunden hatten, wurden wir langsam ratlos. Trotz dem konnten wir Auftritte organisieren; Pipo erklärte sich bereit, uns auszuhelfen, wenn er das Datum früh genug wüsste und dann auch in der Schweiz sein könne. So unterstützte er uns am 5. Mai 2007 beim Auftritt in der Grabenhalle St.Gallen: Es war zweifach etwas Besonderes. In der Halle zu spielen, in der wir unseren allerersten Auftritt gehabt hatten und wieder mit Pipo auf der Bühne zu stehen.

An dieses Konzert kam auch
Kathrina Kunz, eine potentielle Bassistin, die das Instrument aber erst seit Anfang 2007 kennenlernte, nachdem sie bis dahin das Tenor-Saxophon quälte. Sie war vom Auftritt begeistert und wir deshalb um so mehr gespannt auf die anstehende Kennenlernprobe mit ihr. Dort hat sie einwandfrei überzeugt mit ihrer Motivation, die sie soweit trieb, Pipos abartiges Gezupfe auswendig zu lernen. Sie präsentierte uns die Basslinie derart gut, dass uns Hören und Sehen verging. Da sie uns überzeugte und es für sie ebenfalls stimmte, war sie von da an offiziell die neue Bassistin von DividingLine. Nun ging es ans Üben des Repertoires, denn es standen bereits drei weitere Konzerte an. Für das erste am Züri-Fäscht 2007 half uns allerdings noch einmal Steffi aus, was uns sehr freute. Danach würde dann Kathrina auf der Bühne stehen.

Und natürlich, es scheint bei DividingLine zur Regel zu werden: nur keine Konstanz! Noch während des Einarbeitens von Kathy eröffnet Domi, dass er bei uns aufhören wolle. Es traf uns nicht völlig unerwartet, er hatte einige Monaten zuvor bereits Andeutungen gemacht. Ich wollte es wohl nicht so wahrhaben ... Unterdessen probten wir in Wallisellen, was für die Bandmitglieder wegtechnisch ein Kompromiss darstellte, aber nichtsdestotrotz für die meisten etwa eine Stunde Anfahrtsweg verursachte. Deshalb, aber auch, weil er sich musikalisch verändern wollte, beschloss Domi, auszusteigen. – Einmal mehr quälte mich die Frage: Wieso läuft es bei uns nie gradlinig?! Es gibt Formationen, die bestehen jahrelang, ohne Wechsel. Die können Alben aufnehmen, die können neue Stücke proben und anständig auf Tour gehen! Wieso wir nicht? – Zusammen mit der zu dieser Zeit enormen Auslastung durch mein Psychologiestudium hätte ich das Ganze fast hingeschmissen. Zumindest hatte es zur Folge, dass ich nur das Nötigste (oder nicht einmal mehr das) für die Band aufwendete; alle Energie wurde durch die Vorbereitungen für die Diplomprüfungen absorbiert, so dass auch die Motivation der Truppe darunter zu leiden begann.

In dieser happigen Zeit übernahm zum Glück vor allem Matthias das Szepter und führte mit uns die Produktion von
"Vanitas" erfolgreich zu Ende. Das Projekt hatte sich schon über ein Jahr hingezogen und war überfällig, zumal die Motivation allerorts nachzulassen begann. Da wir die Scheibe am Elements of Rock im Mai 2009 offiziell präsentieren wollten, verlieh diese Deadline den nötigen Druck – den am Ende jedoch vor allem Matthias selber abbekam, der Stunden in die Konzeption und Fertigstellung des CD-Artworks investierte. Zumindest was das Design angeht, ist "Vanitas" ein absolutes Meisterwerk. Musikalisch merkt man wohl, dass sich die Aufnahmen in die Länge gezogen hatten und zu wenig Motivation aufgebracht wurde, das Werk zu perfektionieren. Ein Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen ...

Nach der erneuten Drummer-Such-Aktion stiess der erfahrene Schlagzeuger
Peach Lüthy zu uns, der auch gleich die meisten Songs auf "Vanitas" gradlinig und effizient einspielte. Auch mit einem Drummer-Wechsel verändert sich das Klangbild unweigerlich, und so brauchte es Zeit, sich wieder zu finden. Vor allem bei den neuen Songs konnte Peach dann seine eigene Art und Ideen einbringen.

DividingLine hatte durchschnittlich jedes Jahr einen Besetzungswechsel. Um der Statistik gerecht zu werden, verkündete Bruno Mitte 2009 etwas kleinlaut, er gedenke auf Ende Jahr als Gitarrist aufzuhören. Er wollte neue musikalische Wege gehen, weg von den verzerrten Metal-Klängen. Da mich die Vergangenheit Geduld und auch Zuversicht gelehrt hatte, nahm ich die Tatsache so gut es ging stoisch entgegen und versuchte Brunos Gewissen zu beruhigen. Wir hätten ja noch ein halbes Jahr, um jemand neues zu finden.

Unglaublicherweise geschah dies derart zügig, dass ich kaum zum Lamentieren kam: Auf ein Online-Inserat meldete sich, kaum war es aufgeschaltet, eine Gitarristin aus dem Raum Zürich:
Anina Keller. Sie hatte früher mit Steffi zusammen bei Ladies' Room musiziert, seit längerem nun aber keine Band mehr gehabt. Ursprünglich hatte sie das Konservatorium absolviert, ist heute aber nicht mehr als Musikerin berufstätig. Für die Kennenlernprobe übte sie vier Songs ein, die sie uns schon praktisch auswendig präsentierte. Begeistert nahmen wir Anina auf und übten speditiv das Repertoire.

Kaum war dies geschehen, meldete sich Steffi bei mir. Der Grund war, dass ich ihr gegenüber mal erwähnt hatte, die Zukunft mit Kathy wäre etwas unsicher. Verschiedene Punkte trugen zu dieser Unsicherheit bei. Auch dass Kathy in mehreren Formationen relativ stark musikalisch engagiert war. So fragte ich unsere Bassistin und die gesamte Band, ob womöglich zwei Bassistinnen in Frage kämen; ob zu zweit oder abwechselnd, wäre zu klären. Wir fanden alle: Ja.

Allerdings: unter der Gewissheit, dass wir basstechnisch abgesichert waren, fiel es Kathy wohl leichter, schliesslich aus der Band auszusteigen, was auch mit ihrem Studium und den wie erwähnt diversen musikalischen Engagements zu tun hatte. Schade zwar, aber immerhin blieb die Band damit komplett. Es folgten noch einige Konzerte, darunter zwei Auftritte in Donaueschingen (D), wo wir immer sehr herzlich aufgenommen worden sind.

Im 2012 waren es nur noch wenige Konzerte, im 2013 noch weniger. Es zeichnete sich das Ende ab, was ich aber nicht sehen wollte. Die Motivation bei verschiedenen Bandmitgliedern liess nach (wobei man sich auch gegenseitig ansteckte), ich fand es frustrierend, dass man so viel Zeit und Geld investieren muss und verhältnismässig wenig rauskommt. Bei jedem Auftritt erhielten wir zwar sehr positive Rückmeldungen, die besagten, dass wir auf einem guten, spannenden musikalischen Weg waren. Doch ich wurde zusehends müder. Zudem hätte ich abermals zwei Musiker ersetzen müssen: Matthias und Peach. Ich wartete so lange unentschlossen und unmotiviert, bis auch Steffi genug hatte. Das half mir dann bei der endgültigen Entscheidung. Natürlich ist es schade, ein so langjähriges Projekt zu begraben. Aber ich denke, der Schritt war gut und passen. Ich werde sicherlich weiterhin Musik machen, ich weiss einfach noch nicht in welcher Form. Der Tätigkeit als Berufsberater und die abermalige längere Ausbildung zum Psychotherapeuten beanspruchen Zeit und Energie. Auch hier liegen meine Stärken, denen ich mich momentan verpflichteter fühle. Aber auch die Gabe der Musikalität bedeutet eine Verpflichtung, ein Geschenk, dass man nicht verkommen lassen darf, dessen bin ich mir bewusst. Ihr hört von mir ...