the golden idol (Text & Musik: R. Frischknecht, 2010) We lost control of the car heading towards destruction in this heedless race
We lost our minds in this war, in this craving for riches, in this scaring maze
How could we ignore the signs – the caller in the desert
The poison in their lies, the greed in their eyes?

We're selling our souls to the golden idol
Bowing our heads at the golden idol
Bending our knees at the golden idol
Blowing our heads for the golden idol
The golden idol

We lost control of the game we were convinced to be winning
We're waking from a dream
Where are the ones we can blame, belying the pain of betrayal with our angry screams
How could we ignore the signs – the caller in the desert
The poison in their lies, the greed in their eyes?

Will we ever learn to yearn for riches in a land
Where no one ever can take them out of our hands?


Übersetzung
Wir haben die Kontrolle über den Wagen verloren,
der in diesem kopflosen Rennen seiner Zerstörung entgegenrast.
Wir haben unseren Geist verloren in unserer Gier nach Reichtümern,
in diesem verängstigenden Irrgarten.
Wie konnten wir die Zeichen missachten – den Rufer in der Wüste,
das Gift in ihren Lügen, die Gier in ihren Augen?

Wir verkaufen dem goldenen Götzenbild unsere Seelen
Wir neigen das Haupt vor dem goldenen Götzenbild
Wir biegen unsere Knie vor dem goldenen Götzenbild
Werden kopflos und irre, verzehren uns für das goldene Götzenbild

Wir haben die Kontrolle über das Spiel verloren,
von dem wir so überzeugt waren, dass wir es gewinnen würden.
Wir erwachen aus einem Traum.
Wo sind sie, die wir beschuldigen können,
um den Schmerz des Betrogen-worden-Seins verleugnen zu können?
Die wir wütend niederschreien können? –
Wie konnten wir die Zeichen missachten – den Rufer in der Wüste,
das Gift in ihren Lügen, die Gier in ihren Augen?

Wir verkaufen dem goldenen Götzenbild unsere Seelen
Wir neigen das Haupt vor dem goldenen Götzenbild
Wir biegen unsere Knie vor dem goldenen Götzenbild
Werden kopflos und irre, verzehren uns für das goldene Götzenbild

Werden wir je lernen, uns nach Reichtümern zu sehnen,
die uns niemand mehr je aus den Händen reissen kann?
Gedanken zum Song Oft rennen wir in unserem Leben Idolen nach – was immer es auch sein mögen: grossartige Menschen, uns wertvoll erscheinende Gegenstände oder selbstwerterhöhender Status. Selbstwert erhöhen – das ist womöglich oft das Motiv dabei. Identität aufbauen, indem wir uns mit anderen oder anderem identifizieren, uns diese Eigenschaften ebenfalls aneignen wollen. Wer auf der Suche ist, braucht Vorbilder, golden glänzende Idole. Und sind wir nicht alle während unseres ganzen Lebens auf der Suche? Wahrscheinlich erreichen wir nie oder selten den Punkt, an dem wir sagen können: Ich weiss, was ich will; so bin ich, das macht mich aus! Die Welt um uns verändert uns, wir selber verändern uns. Und müssen deshalb immer wieder neu suchen, uns immer wieder neu definieren.

Dennoch können hoffentlich viele, wenn sie älter werden, grundsätzlich sagen: Ich weiss wer ich bin und was ich will. Sie sind nicht mehr so von Vorbildern abhängig, schwärmen weniger für goldene Idole, laufen weniger Gefahr, sie zu vergötzen. Vermutlich müssen wir uns aber bewusst mit uns selber und mit unserer Umwelt auseinandersetzen, um an diesen Punkt zu kommen. Es gibt Menschen, die diesen Weg nicht unter die Füsse genommen haben. Sie rennen womöglich Zeit ihres Lebens goldenen Idolen, glänzenden Götzenbildern nach. Neigen ihr Haupt vor ihnen, beugen ihr Knie, verkaufen ihre Seele, d.h. auch, opfern ihre Identität und gehen in einer "fremden Identität" auf, verlieren sich selber in diesem Rennen. Und wir alle lassen uns von solchen Idolen blenden, rennen Geld und Macht nach, spielen Spiele, die wir unter Kontrolle zu haben glauben, nehmen Strapazen in Kauf, um dazu zu gehören, brauchen Dinge. Vielleicht sollten wir uns ab und zu fragen, ob wir Götzen hinterher rennen, die wir loslassen sollten, um wirklich frei, um uns selber zu werden. Die Einzigartigkeit zu entdecken, die in uns angelegt ist. – Was braucht es dazu? Welche "Sicherheit" brauchen wir, damit wir uns trauen, all das loszulassen, was wir bislang zu brauchen glaubten?


Reto Frischknecht, November 2011