Anina Keller
Im Frühling 2009 beschloss ich, eine neue Band zu suchen. Zu lange war es her, seit ich mit meiner letzten Band Ladies’ Room quer durch die Schweiz verschiedenste Bühnen gerockt habe. Der Zufall, das Schicksal, oder was es auch gewesen sein mag, liess Reto auf der beliebtesten schweizerischen Musikersuchtmitmusiker-Börse einige Tage zuvor ein Inserat veröffentlichen, welches mich zum Telefonhörer greifen und die aufgeführte Nummer wählen liess. Es schien, dass Dividing Line das suchte, was ich finden wollte und nach kurzer Zeit und für mich nicht allzu langer Überlegung war ich die glückliche neue Gitarristin der Band.

Im Jahre 1983 startete ich im Kanton Zürich in mein Leben. Mit neun Jahren erhielt ich meine erste klassische Gitarre, einige Jahre später gesellte sich eine elektrische dazu. In Zürich habe ich nach 2003 während vier Jahren an der Hochschule der Künste klassische Gitarre studiert. Eine wunderbare Zeit, erfüllt mit Musik: ich habe Konzerte gespielt, unterrichtet, ein Mandolinen- und Gitarrenorchester geleitet, in Bands gespielt, Songs geschrieben und Stücke komponiert … Trotzdem hatte ich nach dem Studium das Bedürfnis, mir ein anderes berufliches Standbein aufzubauen. Ich habe eine weitere Ausbildung in Angriff genommen, die Freude am Musizieren und am Komponieren ist umso grösser geblieben.

WAS ICH MAG: Musik, Musik, Musik! Röck’n’Röll bis Klassik: Queen, Megadeth, Lullacry, Subway to Sally, Bruckner, Tarrega, Barrios... Meine Gitarren. Publikum. Siebenstöckige Gitarrenläden. Musik in meinem Kopf zum klingen bringen. Die Zeit vergessen. Die Stille Zürichs unter einer Schneedecke. Bei Sonnenschein der Limmat entlang joggen. Müde Beine nach dem Training. Muskelkater. Radfahren. Muay Thai. Der Duft von Tiger Balm. Foodstands in Bangkok. MBK. Schokolade. M&M’s. Das Meer. Sich beim Kochen für Gäste langsam betrinken. CSI - Las Vegas. Kill Bill. Fantastische Bücher. Die leider nun inexistente „was ich mag“-Rubrik im "Magazin".

WAS ICH NICHT MAG: Malen nach Zahlen. Stinkende Handtücher. Nach altem Hundekorb riechende Bettwäsche. Schweissgeruch im Tram. Dumme und faule Menschen. Ziellosigkeit. Lavendelduft. Fenster putzen. Mit dem Auto zur Rush Hour durch Zürich fahren. Langes Sitzen. Verkochte Spaghetti. Geschwätz am frühen Morgen. Konstantes Sprechen in Superlativen. Fanatismus. Negativformulierungen. Hungrig sein. Fussball. Kaffeelosigkeit am Morgen. Wenn „was ich nicht mag“ ausführlicher ist, als „was ich mag“.