the night | Informationen zum Song
Viele Menschen fürchten sich vor Stille. Sie halten es nicht aus, wenn einmal nichts läuft, nichts um sie herum lärmt, sie nicht aktiv sein können. Es gibt verschiedene Hypothesen, weshalb das so ist. Anstatt zu versuchen, eine Antwort darauf zu geben stelle ich die Frage: wie ist es bei dir? Wie reagierst du, wenn es um dich herum (ungebeten) still wird? Wenn du warten musst? Angenommen du hast keine Gratiszeitung zur Hand und keinen mp3-Player; nichts, das dich ablenken könnte von der Gegenwart des Augenblicks, von dir selber? Gibt es in deinem Leben Stille, oder hältst du es nicht aus, wenn "nix läuft"? Und wenn ja, hast du dich schon mal gefragt, weshalb das wohl so ist?
Im Song gebe ich allerdings einige Antworten. Wenn alles undeutlich wird im Nebel, wenn wir uns im Zwielicht bewegen, nicht wissen, ob wir träumen oder wachen, steigen da nicht ebenso diffuse Ur-Ängste auf, über die wir gar nicht nachdenken wollen? Holt uns Vergangenes ein, das wir zu vergessen gehofft hatten? Melden sich Zukunftsängste? Wir suchen im Schlaf Vergessen, erträumen den neuen Tag, das wärmende, beschützende Sonnenlicht, wollen die Schatten hinter uns lassen.
Angst muss aber nicht einfach schlecht und lähmend sein. Sie gehört zu der reichen Palette der menschlichen Gefühle und hat eine Botschaft. Sie könnte uns bewusst machen, dass wir klein, schwach, verletzbar sind, kleiner, schwacher und verletzbarer als wir uns selber gerne sähen. Wenn dem so ist, dann bekommt unsere Fähigkeit, zu lieben, zu geben und mit andern mitfühlen zu können grössere Bedeutung. Durch sie sind wir gerade in unserer Schwachheit stark. Die Nacht könnte uns helfen, unser Macho-Gehabe abzulegen und zu echter Stärke zu finden.
Von Reto Frischknecht, November 2009
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