not in the mood (Text & Musik: R. Frischknecht, 2002) Day by day the sky grows darker, day by day the chaos grows
Day by day the heinous slaughter continues and no one knows
if this madness can be stopped and how it's to be done
The only thing for sure is that at last I am the one

(But) I am not in the mood to take responsibility
not in the mood to help the weak
I’m not in the mood to stop the terror
not in the mood at all to keep this world alive ...

Day by day the hunger tortures, day by day indifference grows
Man is caught in lies and offers all his honour to avoid
that the light of truth may wash his darkest sins away
For god gives the power to turn darkness into day

We really have to stand up for this world is about to die
But no one cares for anything so we don’t hear her cry ...


Übersetzung
Tag für Tag wird der Himmel dunkler, Tag für Tag wächst das Chaos.
Tag für Tag geht das abscheuliche Schlachten weiter und niemand weiss,
ob diese Verrücktheit gestoppt werden kann und wie es gemacht werden muss.
Das einzige, was sicher ist: schliesslich liegt es an mir!

"(Doch) ich bin nicht in der Stimmung Verantwortung zu übernehmen.
Ich bin nicht in der Stimmung, den Schwachen zu helfen.
Ich bin nicht in der Stimmung, den Terror zu stoppen.
Ich bin überhaupt nicht in der Stimmung,
diese Welt am Leben zu erhalten."

Tag für Tag quält der Hunger, Tag für Tag wächst die Gleichgültigkeit.
Der Mensch hat sich in Lügen verstrickt und opfert all seine Ehre,
um zu vermeiden, dass das Licht der Wahrheit seine dunkelsten Sünden hinweg waschen könnte,
denn Gott gab die Kraft, die Dunkelheit zum Tag werden zu lassen.

Wir müssen endlich aufstehen, denn diese Welt liegt im Sterben!
Doch niemand kümmert sich um irgendwas und hört deshalb ihren Schrei nicht ...
Gedanken zum Song Ist es zu provokativ, zu behaupten, die Welt gehe zu Grunde, weil wir nicht "in der Stimmung" seien oder "keine Lust" hätten, etwas zu ändern? Ist es nicht vielmehr so, dass wir gar nichts tun können als einzelne Menschen, als Normalbürger ohne einflussreiche Posten? Dass wir schon etwas am Leid in der Welt ändern würden, wenn wir die Möglichkeit hätten?

So geben wir uns der Hilflosigkeit hin und glauben tatsächlich, nichts ändern, nichts beeinflussen zu können. Damit wir diese Haltung nicht hinterfragen müssen, schotten wir uns gegen negative Gefühle ab, die uns zum Nachdenken und Handeln auffordern würden. Wir stumpfen ab und sind dann tatsächlich nicht mehr "in der Stimmung". Aber was ist denn "in der Stimmung sein" bzw. "Lust haben"? – Es sind Gefühle, die uns bewegen, etwas zu tun; Motivationen. Was uns innerlich bewegt, dazu bringen wir Energie auf. Das können Hobbies sein, unsere Arbeit, Beziehungen zu anderen Menschen, Liebe. Es kann aber auch Ärger sein, Empörung, Angst. Solche Emotionen bewegen uns zur Mitarbeit in Umweltschutzgruppen oder zu Spenden; bewegen uns dazu, Wasser zu sparen, ökologisch sinnvoll zu leben. In welchem Grad auch immer wir uns dafür einsetzen, die belastenden Zustände zum Positiven zu verändern, wir werden dabei von Emotionen geleitet.

Um angesichts der Missstände nichts zu tun, braucht es also das Fehlen entsprechender Emotionen: wir lernen sie zu unterdrücken. Dies vielleicht darum, weil wir erfahren haben, dass wir mit unserem Einsatz gescheitert sind. Vielleicht haben wir uns an unserer kleinen oder auch grösseren Rebellion die Finger verbrannt, den Kopf angeschlagen, haben Repressionen erlitten und sind in der Folge fast verzweifelt. Einige Menschen spornen Widerstand und Rückschläge dazu an, noch mehr Einsatz zu zeigen. Andere resignieren und ziehen sich aus Selbstschutz zurück, bekämpfen innerlich ihre Empörung oder aber lassen die Wut über die Hilflosigkeit an anderen Gegenständen oder Menschen aus.

Wenn irgend möglich, möchte ich mit diesem Text Mut machen, gegen Missstände aufzustehen, die eigenen Gefühle wieder wahr- und ernst zu nehmen. Und wenn wir auch nicht viel ändern können, so nehmen wir wenigstens bewusst Stellung und können zu den Mächtigen der Welt sagen: So nicht!


Reto Frischknecht, April 2007