one day we'll die | Informationen zum Song

Der Text spricht zu einem grossen Teil für sich selbst. Er behandelt einmal mehr den Tod als Endpunkt, an dem wir wieder alle gleich sind; Bettler wie Reiche, Korrupte wie Ehrliche. Und doch glauben viele, während ihres Lebens auf der Erde besser, höher gestellt zu sein als andere Menschen, Anrecht auf Glück und Wohlstand zu haben. Wenn wir schon leben, dann wollen wir dieses Leben geniessen, auch wenn es auf Kosten Anderer geht, was ja wohl unvermeidlich ist ...

Vielleicht erheben viele diese Ansprüche gerade weil sie denken, am Ende ists vorbei und es erwarte sie das grosse Nichts (dann soll der Refrain des Songs sie nicht noch mehr zu ihren Exzessen ermuntern). Andererseits vermute ich manchmal, dass unser Streben nach Macht, nach Einfluss und Wohlstand Ausdruck unserer Auflehnung gegen den Tod sein könnte: Wir trachten danach, auch diese Grenze zu überwinden, auch diese Diktatur zu beenden. Vielleicht kann ich mir mit Geld lebensverlängernde Massnahmen leisten. Vielleicht findet die Forschung doch noch eine Möglichkeit, den Tod zu besiegen ...

Doch gleichzeitig zeigt sich beim Menschen ein Merkmal der Zerstörung, das im Gegensatz zu diesem Streben nach Leben, Wachstum und Entwicklung steht. Wir sind aggressive Wesen die egoistisch handeln und damit andere Menschen in Unglück und Tod stürzen. Wir sind die Urheber der Kriege, der Hungersnöte, der Armut. Wir lügen und bestechen zu unserem eigenen Vorteil.

Könnten wir unsere selbstsüchtigen, ängstlichen, aggressiven Verhaltensweisen wohl aufgeben, wenn wir akzeptieren könnten, dass wir eines Tages wirklich sterben werden; dass Gevatter Tod jede und jeden in seine Arme schliessen wird? – Ich weiss es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir mit vielen Bereichen des Lebens lockerer umgehen könnten, dass wir uns und andere auf Grund der Gleichheit im Tod auch als gleichwertig im Leben annehmen könnten; dass die Folge davon mehr Gerechtigkeit, Offenheit, Hilfsbereitschaft und echte Liebe wären. – Es ist an uns, es zu beweisen.

Kinder sind unschuldig, sagt man. Sie haben noch Träume, gehen unbesorgt in den Tag hinein. Wenn ich kleine Kinder anschaue, verspüre ich manchmal Schmerz oder Mitleid, weil ich weiss, dass diese Kinder unsere Welt erben werden und somit auch die Probleme und Scherbenhaufen, die wir ihnen hinterlassen. Ich kann nur hoffen, dass die Bürde nicht zu schwer sein wird und sie nicht daran zerbrechen werden. Ich hoffe, sie wagen es, aufzustehen und sich zu wehren, sich für das Gute einzusetzen. Was wir zumindest tun können, ist, sie ihre Kindheit geniessen zu lassen, zu erlauben, dass ihre Träume sie auf golden schimmernden Flügeln weit hinauf tragen. Früh genung wird die Realität ihnen diese Flügel stutzen und sie werden erleben, dass nicht alles nur gut und schön ist, dass nicht alles machbar ist.


Von Reto Frischknecht, April 2007


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