the shadow of fear | Informationen zum Song

Wenn nun die Nacht hernieder sinkt
auf das Treiben dieser Zeit,
wenn sie mit sich Ängste bringt,
die wir des Tages noch verneint,
so schwindet unser Trotz und Stolz
und unserm Innern wird bewusst:
Wir sind aus einem andern Holz
und haben Angst vor dem Verlust,
den Schwachheit mit sich bringen mag
und Offenheit
und Nahbarkeit.

Woran es fehlt, ist Zärtlichkeit.

Doch könnte uns die Nacht dies lehren,
wär unser Herz bereit, zu sehn;
würde es aufhörn, sich zu wehren,
dann könnt es letztlich auch verstehn.

Doch Angst regiert den Lauf der Welt


Dieses Gedicht habe ich gezielt zu diesem Lied passend geschrieben. Es thematisiert, wie wir unsere schwachen, feinen, verletzlichen Seiten verdrängen. In einer Welt, in der nur die Rücksichtslosen und "Starken" bestehen können, dürfen wir Feinfühligkeit, Mitleid, Angst und Sorge nicht zulassen. Denn wir haben Angst davor, angegriffen zu werden ohne unsere "Rüstung". Und so lassen wir niemanden so nah an uns heran, dass diese Person uns verletzen könnte ...

Die Nacht symbolisiert ein Zustand des Auf-sich-gestellt-Seins; alle Ablenkungen sind von uns genommen, wir hören oder spüren wieder, was in uns vorgeht. Anstatt Angst vor unserer Verletzbarkeit zu haben, könnten wir aber entdecken, dass es allen anderen Menschen genau gleich geht; dass ein offenes, "unbewaffnetes" Aufeinander-Zugehen sehr wohl möglich wäre und erst unser Mensch-Sein ausmacht.

All die Negativ-Schlagzeilen in Fernsehen und Zeitung bestärken uns natürlich noch in unserer Angst vor der unmenschlichen Seite des Menschen. Wir bekommen die Bestätigung für allgemeine egoistische Rücksichtslosigkeit in Politik und Wirtschaft und denken, das Tragen unserer "Rüstung" sei um so mehr gerechtfertigt. Die Angst, zu kurz zu kommen, oder gar die Angst, selber "unter die Räder" zu kommen, lähmt uns immer stärker. Wir stehen nur noch da und können nichts weiter tun, als entsetzt zuschauen, wie es mit der Welt bergab geht.

Wir fragen uns, wie lange es so noch weitergehen kann und ob die skrupellosen Ausbeuter tatsächlich immer durchkommen, immer Erfolg haben. Es muss doch eine Gerechtigkeit geben. Wo ist denn dieser Gott, der für die Schwachen und Benachteiligten da sein will? – Die Bridge macht deutlich, dass wir eine positive Veränderung nur schon dadurch initiieren können, dass wir aus unserer Gelähmtheit ausbrechen. Wir können etwas zur Gerechtigkeit beitragen, wenn wir wagen, das Unrecht anzuklagen, damit Gott zu bestürmen und von ihm, aber auch von den verantwortlichen Menschen Gerechtigkeit zu fordern.

Die Schlusszeile des Gedichts tönt resignativ: Es lässt sich ja doch nichts ändern, weil die Menschen nun mal so sind. Ein Stück weit ist das eine Realität, weswegen dieser Satz auch am Schluss des Gedichtes so stehen gelassen wird. Aber es soll auf keinen Fall vergessen werden, dass im Lied uns die Bridge auffordert, mit unserem Schmerz umzugehen, sich nicht lähmen zu lassen. Und dass es im Refrain heisst: "a silent hope for the day – for the pain to drift away ..."


Von Reto Frischknecht, April 2007


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