the shelter of time (Text & Musik: R. Frischknecht, 2004) Scared by the cruelty of our own seed
Shocked by the reports of war
Listening to stories we still can't believe
Dreaming of peace that is lost
All we have done since the world has begun
Is killing our brethren in fear for our lives
We asseverated our longing for love
But no one could ever keep up

Into the shelter of time we flee, we hide
Hoping to save our lives as we wait for the horror and pain to pass by
In the shelter of time

Feeling the sorrows consuming our strenght
Afraid of the death at the end
Running in circles with pride in our hearts
Not willing to understand

Dreaming of heros – the willing, the brave
Fighting the evil with joy in their hearts
To end all the terror and banish the pain
But heros are seldom be found


Übersetzung
Verängstigt durch die Grausamkeit unserer eigenen Saat,
erschreckt durch Berichte von Krieg
hören wir Geschichten, die wir immer noch nicht glauben können,
träumen wir von verlorenem Frieden.
Alles, was wir seit Anbeginn der Zeit taten,
war, unsere eigenen Brüder zu töten,
nur um unsere eigenen Leben zu retten.
Wir versicherten unser Streben nach Liebe,
doch niemand konnte das Ziel erreichen.

In den Schutz der Zeit fliehen wir, wir verbergen uns;
hoffen unsere Leben zu retten, während wir warten,
dass der Schrecken und der Schmerz vorbei gehen würden,
im Schutz der Zeit ...

Wir fühlen, wie die Sorgen unsere Kraft verzehren,
fürchten uns vor dem Tod, der uns am Ende erwartet,
rennen in Kreisen, mit Stolz in den Herzen,
sind nicht bereit, zu verstehen.
Wir träumen von Helden, den Willigen und Mutigen,
die freudig das Böse bekämpfen,
um den Schrecken zu beenden und den Schmerz zu verbannen –
doch Helden finden sich leider nur selten ...
Gedanken zum Song Wir alle sind es uns bewusst: Wie wir Menschen grosse technologische Fortschritte machen, diese Technologien aber selten nur zu unserem Wohl verwenden, sondern wie wir uns in den meisten Fällen damit gegenseitig bekämpfen. Und die Beispiele beschränken sich längst nicht nur auf die Kernspaltung zur Energiegewinnung, deren Schattenseite radioaktive Abfälle sind, die wir nicht richtig entsorgen und unseren Nachkommen damit Zeitbomben hinterlassen. Von der Atombombe ganz zu schweigen. Auch nicht auf die Erfindung des Sprengstoffs zum Stollen- und Tunnelbau, mit dessen Energie leider auch Gewehre funktionstüchtig werden ...

Woher kommt diese zerstörerische Energie? Wie können wir nach Wohlstand und Selbstverwirklichung streben und gleichzeitig so aggressiv und zerstörerisch sein?

Lasst mich eine Hypothese aufstellen, zu deren Überprüfung jede und jeder selbst aufgefordert ist: Gott hat den Menschen geschaffen, um ein Gegenüber zu haben und deshalb sind wir grundsätzlich als "Beziehungswesen" geschaffen. Diese Sehnsucht nach Beziehung treibt uns an (und sollte uns wohl nicht zuletzt zur Beziehungspflege mit Gott motivieren). – Aber vielleicht sollte ich hier darstellen, was ich mit "Beziehung" meine. Die "wissenschaftliche" Definition beschreibt sie mit:
– Nähe zu einer anderen Person (körperlich und seelisch)
– Fürsorge
– Verantwortung
– Empathie (Einfühlungsvermögen)
– den Dialog pflegen
– Komplementarität (Gegenseitigkeit im Geben und Nehmen)

Es gibt geschlechterspezifische Unterschiede in der Definition von "Beziehung" (wobei diejenige der Frauen ziemlich deckungsgleich mit den oben erwähnten Punkten ist, Männer hingegen Beziehung definieren als: die Familie ernähren, regelmässig Zeit zu Hause verbringen, sich nicht mit anderen Frauen herumtreiben, sich nicht zu oft betrinken, sexuelle Pflichten erfüllen), was mit ein Grund für viele Konflikte und andere Beziehungsstörungen ist.* Wir reden oft nicht vom Selben.

Wenn wir uns an der genannten Definition orientieren und auch von der erwähnten "Sehnsucht" oder einem Bedürfnis nach Beziehung ausgehen, könnte man sagen, wir haben Angst davor, allein zu sein oder verlassen zu werden. Wir streben danach, von anderen angenommen zu sein, nicht nur akzeptiert, sondern geliebt zu werden. In einem übersteigerten Ausmass könnte sich dieser Wunsch in Macht-haben-wollen zeigen; ich gehe sogar soweit, ein bekanntes psychologisches Motivations-Modell – nach dem es fünf Grundmotivationen gibt: Geld, Beziehung, Macht, Status und Kontrolle – zu hinterfragen. Wenn die Beziehungssehnsucht quasi als "genetische" Komponente uns antreibt, wären das Streben nach Geld und Status, nach Macht und Kontrolle ebenfalls deren Auswirkungen. Denn mit Geld gehören wir einer bestimmten Gesellschaftsschicht an; mit Geld glauben wir, Macht, Einfluss und Freunde kaufen zu können. Mit Macht- und Kontrollmissbrauch binden wir Menschen an uns, machen sie abhängig, halten sie klein, damit wir selber gross dastehen. Das alles sind pervertierte Auswirkungen dieser Grundmotivation "Beziehung". Solche Auswüchse entsprechen nicht der oben genannten Definition. Doch könnte diese Angst vor Beziehungsverlust, davor, nicht geliebt und angenommen zu sein, uns zu diesem Missbrauch treiben. Vielleicht ist diese Angst der Grund für unsern Egoismus, für die Unterdrückung in der Welt; der Grund für unser paradoxes Handeln: Wir streben nach Liebe und zerstören doch gleichzeitig diese Welt und unsere Mitmenschen.

Man könnte darin den Grund für die Angst sehen, vor der wir uns "im Schutz der Zeit" verbergen. Wenn wir nicht mehr weiter wissen, hilft es doch vielleicht wenigstens, den Kopf in den Sand zu stecken; nichts mehr zu hören und zu sehen, bis der Sturm vorüber ist. Wir sind erschreckt über unsere eigene Natur, beschämt von der Tatsache, dass wir so oft versagen, obwohl wir uns so hehre Ziele gesetzt haben.

Ist meine Hypothese richtig, um den Text von diesem Lied zu erklären? Oder zeichne ich ein zu negatives Bild von uns Menschen? Ist diese Angst einfach ein evolutionäres Übrigbleibsel, da wir früher ums Überleben kämpfen mussten und deshalb Beziehungen eher "Zweckbündnisse" waren, da man alleine nicht überleben konnte? Egoismus nach dem Motto: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral"?

Welche anderen Gründe könnte es für die eingangs geschilderten Phänomene geben? Ich möchte mit diesem Text zum Nach- und mitdenken anregen und würde mich freuen, eure Meinungen zu hören.


Von Reto Frischknecht, April 2007
*eigene Zusammenfassung von Informationen aus einem öffentlichen Vortrag des Instituts für Angewandte Psychologie, IAP, Zürich, 2006