the system of violence (Text & Musik: R. Frischknecht, 2005) Welcome in the system of violence
welcome to your fate
in a world of justice, in a world of hate
welcome in the dream of freedom
to buy what you desire
to justify the hunger, to manifest the lies

Born to be king, raised to be strong
Forced to success, need to hang on
Empty in sadness, no way to tell
Despising your weakness and choose private hell
You don’t know what’s coming, you don’t know what’s wrong
You’re trained to efficiency and told to be strong

Out of the race, longing for life
A second chance, out of the lies
A way to heaven, an inner peace
But that’s chauvinism and you’re called to deeds
You’re destined to follow, you’re forced to go on
You know you can make it, you know you are strong


Übersetzung
Willkommen im System der Gewalt!
Willkommen, dies ist dein Schicksal:
eine Welt der "Gerechtigkeit", eine Welt des Hasses.
Willkommen im Traum der Freiheit,
dir leisten zu können, was immer du begehrst;
den Hunger zu rechtfertigen, die Lügen lebendig zu halten.

Geboren, König zu sein, erzogen worden, immer stark zu sein,
zu Erfolg gezwungen, musst du dranbleiben,
bist traurig in deiner Leere, doch kannst niemandem mitteilen,
wie du deine Schwachheit verabscheust und doch deine private Hölle erwählst.
Du weisst nicht, was auf dich zu kommt, siehst nicht, was schief läuft,
bist auf Effizienz getrimmt und musst stark sein.

Raus aus diesem Rennen! Du sehnst dich nach dem Leben,
nach einer zweiten Chance. Raus aus diesen Lügen.
Ein Weg zum Himmel, soll es geben, einen inneren Frieden.
– Doch das ist für Weichlinge, und du bist schliesslich zu Taten berufen.
Bestimmt dazu, nachzufolgen, gezwungen, weiterzumachen.
Du weisst, du kannst es schaffen, du weisst, dass du stark bist
Gedanken zum Song Ich kenne Menschen, die wirken nach aussen stark, mächtig, fast bedrohlich. Doch hinter dieser Fassade versteckt sich ein verletztes Kind. Es braucht die vorgetäuschte Stärke, um in dieser grausamen Welt überleben zu können. Es ist überzeugt, dass die Mitmenschen es nur ausnützen, überlisten, benachteiligen wollen. "Den Menschen ist zu misstrauen", könnte sein Leitsatz sein. Es muss sie kontrollieren und dominieren, oder aber zumindest die Situation im Griff haben können, in der es sich befindet, sich selber kontrollieren und damit schützen können.

Solche Menschen haben vielleicht die Erfahrung gemacht, dass ihnen Liebe, Zuwendung nicht bedingungslos geschenkt wurden, vielleicht haben sie auch schwere Schicksalsschläge erleiden müssen und fanden keine andere Möglichkeit, mit ihren Erlebnissen umzugehen, als sich gegen aussen abzuschotten. Sicherlich leiden sie daran, denn mit ihrem Verhalten geraten sie auch in zwischenmenschliche Konflikte, berauben sich selber tiefer gehender Beziehungen. Doch das Risiko, nochmals verletzt zu werden, ist für sie schlimmer.

Der Song zeigt in den Strophen vor allem die Zerrissenheit solcher Personen, das Erahnen ihres inneren Konflikts, die Trauer und Wut darüber und das dennoch Nicht-anders-Können. Das Gefühl, weitermachen zu müssen, rennen zu müssen, bis zum Ende. Mit ihrem rigiden Verhalten schaffen sie Leid. Doch sind es überhaupt nicht einfach nur solche Menschen, die das "System der Gewalt" am Leben erhalten. Wir alle tragen dazu bei. Wir leben auf Kosten anderer, denken – vielleicht weniger ausgeprägt aber dennoch – ängstlich egoistisch, verschliessen unsere Augen und Ohren vor den Bedürfnissen derer, die aufgrund unserer Bedürfnisse leiden müssen.


Von Reto Frischknecht, November 2009