the system of violence | Informationen zum Song
Ich kenne Menschen, die wirken nach aussen stark, mächtig, fast bedrohlich. Doch hinter dieser Fassade versteckt sich ein verletztes Kind. Es braucht die vorgetäuschte Stärke, um in dieser grausamen Welt überleben zu können. Es ist überzeugt, dass die Mitmenschen es nur ausnützen, überlisten, benachteiligen wollen. "Den Menschen ist zu misstrauen", könnte sein Leitsatz sein. Es muss sie kontrollieren und dominieren, oder aber zumindest die Situation im Griff haben können, in der es sich befindet, sich selber kontrollieren und damit schützen können.
Solche Menschen haben vielleicht die Erfahrung gemacht, dass ihnen Liebe, Zuwendung nicht bedingungslos geschenkt wurden, vielleicht haben sie auch schwere Schicksalsschläge erleiden müssen und fanden keine andere Möglichkeit, mit ihren Erlebnissen umzugehen, als sich gegen aussen abzuschotten. Sicherlich leiden sie daran, denn mit ihrem Verhalten geraten sie auch in zwischenmenschliche Konflikte, berauben sich selber tiefer gehender Beziehungen. Doch das Risiko, nochmals verletzt zu werden, ist für sie schlimmer.
Der Song zeigt in den Strophen vor allem die Zerrissenheit solcher Personen, das Erahnen ihres inneren Konflikts, die Trauer und Wut darüber und das dennoch Nicht-anders-Können. Das Gefühl, weitermachen zu müssen, rennen zu müssen, bis zum Ende. Mit ihrem rigiden Verhalten schaffen sie Leid. Doch sind es überhaupt nicht einfach nur solche Menschen, die das "System der Gewalt" am Leben erhalten. Wir alle tragen dazu bei. Wir leben auf Kosten anderer, denken vielleicht weniger ausgeprägt aber dennoch ängstlich egoistisch, verschliessen unsere Augen und Ohren vor den Bedürfnissen derer, die aufgrund unserer Bedürfnisse leiden müssen.
Von Reto Frischknecht, November 2009
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