zu spät (Text & Musik: R. Frischknecht, 2010) Die Mutter allen Lebens – missbraucht und geschunden
wartet auf den Tod durch unsre Hände
Der Meister seiner Schöpfung weint um ihre Pracht
und ruft zu seinen Kindern: Haltet ein!

Bewahrt mir meine Liebe! Erhaltet ihre Pracht!
Bewahrt mir ihre Schönheit und bereut, was ihr gemacht!
Ich gab, was ihr benötigt, ihr nahmt aus reiner Gier.
Und wenn sie stirbt, dann schreit ihr zu mir.
Doch dann ist es zu spät ...
Zu spät ...

Die Lungen meiner Schönen verarbeitet zu Geld,
das Blut des Lebens machtet ihr zu Strom.
Ihre Kraft wird versiegen, die Pracht zu Ende sein.
Was euch an ihr gedient, bringt euch den Tod.

Bewahrt mir meine Liebe! Erhaltet ihre Pracht!
Bewahrt mir ihre Schönheit und bereut, was ihr gemacht!
Ich gab, was ihr benötigt, ihr nahmt aus reiner Gier.
Und wenn sie stirbt, dann schreit ihr zu mir.
Doch dann ist es zu spät ...
Zu spät ...
Gedanken zum Song Der Text ist auf meiner Neuseelandreise entstanden. Das Land ist ja bekannt für die atemberaubende Natur, für weite Strände und wenig besiedelte Landschaften. Eine Schönheit, die von den Bewohnern vor gar noch nicht so langer Zeit erst erkannt wurde. Das Bewusstsein für die Einzigartigkeit dieses Landes entstand erst, als diese Kostbarkeiten zu zerfallen begannen: Flora und Fauna werden von eingeschleppten Pflanzen und Tieren der Kolonialmacht verdrängt, einheimischer Regenwald wurde achtlos gerodet, um Kauri-Holz zu gewinnen, Wale wurden geschlachtet. Heute wird mühsam Konservierung des Restbestandes betrieben.

Nicht nur Neuseeland ergeht es natürlich so. Auf der ganzen Welt wird an der Natur Raubbau betrieben, weil der Profit die oberste Maxime darstellt. Wir merken es wahrscheinlich wirklich erst, wenn es zu spät ist; wenn nicht nur die Schönheit zerstört ist, sondern die Luft, die wir zwangsläufig atmen müssen, giftig ist und das Wasser, von dem wir ebenso existenziell abhängig sind, verseucht ist.

Ich wage zu behaupten, dass der Kapitalismus nicht das Mass aller Dinge sein kann, es nicht sein darf. Geld kann man nicht essen. Und mit Geld kann man nichts mehr kaufen, was seinen Wert verloren hat. Entfernt passt in diesem Sinne ein Zitat eines meiner Lieblingskünstler, nämlich des verstorbenen Hanns Dieter Hüsch: "Ist es statthaft, die Prosperität einer Klasse mit dem Wohlergehen eines Landes zu verwechseln?"

Wer Ohren hat zu hören, der höre – um es biblisch auszudrücken ...


Von Reto Frischknecht, November 2011